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Karriere

Diversifikation vs. Spezialisation – Über die Fragilität im Beruf

Den Begriff der Diversifikation hört man besonders im Finanzbereich besonders häufig. Dort wird der Begriff für die Streuung deines Vermögens auf mehrere Investitionen genutzt. Dies soll dein Risiko minimieren.

Eine Allgemeine Beschreibung des Begriffs:

„Veränderung, Abwechslung, Vielfalt (Spezialisierung auf mehrere, unterschiedliche Gebiete; Prozess der Veränderung von einer Klasse in mehrere unterschiedliche)“

Wikipedia Bedeutung Diversifikation

Doch können wir dieses Konzept auch in unserem beruflichen Alltag nutzen? Bevor wir diese Frage beantworten können möchte ich noch einen anderen Begriff in den Raum werfen, Antifragilität.

Antifragilität

Fragil bedeutet so viel wie leicht zerbrechlich. Die Antifragilität wird von Nassim Nicholas Taleb in seinem Buch „Antifragilität – Anleitung für eine Welt die wir nicht verstehen“ beschrieben. Antifragilität beschreibt laut Taleb nicht den Begriff der Robustheit, also krisensicher zu sein, sondern beschreibt die Eigenschaft durch Krisen und Stress noch optimiert zu werden.

Taleb vergleicht in Kapitel 5 seines Buches zwei Arten von Beruf. Darin beschreibt er zwei Brüder von denen der eine im Personalbüro einer Bank arbeitet während der andere als Taxifahrer sein Geld verdient. Der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Berufen ist die Verteilung der Risiken sowie die Wahrnehmung der Risiken. Der Taxifahrer ist jeden Tag damit beschäftigt ausreichend Fahrgäste zu befördern, hat und gute wie schlechte Tage und entwickelt vermutlich über die Zeit seine eigene Strategie wie er sein Geschäft optimieren kann. Der Personaler dagegen merkt die meiste Zeit nichts von seinen Risiken und fühlt sich in seinem vermutlich sicheren Job wohl. Sollte allerdings einmal etwas schief gehen, das Unternehmen bankrott gehen, oder er aus anderen Gründen gefeuert werden kann es leicht sein, dass er Probleme damit hat einen neuen Job zu finden.

Vergleichbare Risiken gibt es viele. Sie erscheinen oft unwahrscheinlich, wenn sie eintreten sind die Auswirkungen für uns jedoch deutlich spürbar und können unser Leben verändern. Deshalb sollten sie nicht außer Acht gelassen werden. Taleb beschreibt sie als „schwarze Schwände“.

Diversifikation, Spezialisation und der Weg in die Selbständigkeit

Vergleichbare Risiken gibt es in vielen Angestelltenverhältnissen. Sehr vereinfacht dargestellt gibt es drei Taktiken mit den Risiken des Angestelltenverhältnisses umzugehen. Ich erhebe hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sollten dir noch gänzlich andere Taktiken einfallen, schreib es gerne in die Kommentare.

Die erste Möglichkeit die wir uns direkt aus dem Beispiel des Taxifahrers ableiten können ist der Weg in die Selbständigkeit. Dies kann auch einen Nebenerwerb neben deiner Hauptberuflichen Tätigkeit bedeuten. Während sich das Risiko gekündigt zu werden dadurch nicht ändert, schwächst du seine Auswirkung deutlich ab. Du bist also weniger abhängig.

Die zweite Möglichkeit ist der Weg der Spezialisierung. Du kannst Experte/Expertin für ein oder ein paar wenige Themen werden. In diesen wirst du so gut, dass dich jede Firma die in diesem Gebiet arbeitet anstellen möchte. Damit erhöhst du nicht nur dein Gehalt, sondern schwächst auch noch Risiko ab gefeuert zu werden, bzw. reduzierst die Auswirkung einer Kündigung da du vermutlich rasch einen neuen Job findest. Dafür gibt es jedoch ein neues Risiko. Was wenn das Themengebiet auf das du dich spezialisiert hast auf einmal verschwindet. In unserer modernen Welt und durch den technologischen Wandel in dem wir uns befindet passiert das heutzutage schneller als gedacht.

Damit kommen wir zu der dritten Möglichkeit. Du kannst dein Wissen immer mehr in die Breite aufbauen und dir Wissen über sehr robuste Zweige aneignen. Als Softwareentwickler könntest du dich beispielsweise nicht bloß auf eine bestimmte Technologie beschränken sondern dich mit mehreren unterschiedlichen Themengebieten auseinandersetzen. Als Bürokraft kannst du Seminare besuchen und dich zu neuen Themen fortbilden die in deiner jetzigen Firma ebenfalls gefragt sind. Oder dir sogar Themen ansehen die ganz außerhalb deines aktuellen Arbeitsgebietes liegen um dich noch breiter aufzustellen.

Es gibt nicht den einen Weg

Einer meiner Lieblings Sätze. Es gibt nicht den einen Weg. Am Ende des Tages hängt es immer von deiner aktuellen, ganz individuellen, Situation ab. Üblicherweise gibt es jedoch immer Möglichkeiten wie du dich besser aufstellen kannst. Ich persönlich bin der Meinung, dass ein Mindestmaß an Diversifikation in beinahe jedem Umfeld vorteilhaft ist. Du verringerst damit im Optimalfall sowohl die Eintrittswahrscheinlichkeit von Risiken als auch die Auswirkung dieser.

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