Über den Vorteil von Routinen und Gewohnheiten

Ich habe schon öfters erwähnt, dass ich einige Routinen, Gewohnheiten bzw. Automatismen habe, besonders wenn es um meine Geldanlage geht. Diese helfen mir dabei, dass ich mich um weniger kümmern muss. Erst letztens ist mir wieder aufgefallen, wie einfach meine Geldanlage dadurch geworden ist. Weshalb ich heute wieder einmal ein wenig darüber schreiben möchte.

Der große Vorteil von Routinen

Als Routine zählt in diesem Fall für mich alles das automatisch oder zumindest semi-automatisch passiert. Das vermutlich einfachste Beispiel für eine Routine ist Zähneputzen. Du stehst in der Früh auf und ohne viel darüber nachzudenken gehst du ins Badezimmer und putzt dir die Zähne. Das ist eine Routine, du machst es jeden Tag, musst nicht mehr darüber nachdenken ob oder wie du es tust, es geht dadurch auch noch schnell und du vergisst im Normalfall nicht es zu erledigen.

Routinen können „positiv“ oder auch „negativ“ sein. Daher ist es auch wichtig solche Routinen zu erkennen und zu verstehen woher sie kommen sofern wir sie ändern möchten. Greifst du jedes Mal im Supermarkt, ohne viel darüber nachzudenken, zu den Süßigkeiten obwohl du eh zu viel nascht und vielleicht gar nicht so viel Süßes essen möchtest könnte das eine negative Gewohnheit sein die du erst „umprogrammieren“ musst.

Der Vorteil von solchen im Gehirn eingespielten Abläufen ist wie bereits erwähnt, dass sie dir leicht von der Hand gehen, du nicht mehr viel darüber nachdenken musst. Stell dir nur vor du müsstest bei jeder Kleinigkeit (Zähneputzen, Autofahren, Einkaufen, Spazieren gehen) über jeden Handgriff nachdenken.

Einen Schritt weiter gehen für mich Automatismen um die du dich gar nicht mehr kümmern musst. Dazu könnte zum Beispiel dein Netflix Abo zählen. Durch den Einziehungsauftrag wird das Geld monatlich von deinem Konto abgezogen ohne, dass du dich darum kümmern musst. Das positive daran, du kannst nicht vergessen deine Rechnungen zu zahlen und musst keine Mahngebühren zahlen. Das Negative daran, du könntest übersehen, dass du inzwischen für vier unterschiedliche Streamingdienste zahlst und einer eigentlich reichen würde.

Wie du Gewohnheiten entwickelst und änderst

Das Interessant ist, dass sich solche Gewohnheiten und Automatismen sehr unterbewusst entwickeln können. Dadurch können sie sowohl positiv (hilfreich), als auch negativ (nicht hilfreich) für dich sein. Du kannst sie allerdings durch aktives Nachdenken, Reflektieren und Einwirken ändern und dich damit selbst langfristig positiv beeinflussen. Gewohnheiten lassen sich also beeinflussen. Doch wie genau entwickeln oder ändern wir sie eigentlich?

Eine Gewohnheit in Form eines eingeübten Verhaltensmusters stellt für gewöhnlich eine Mischung aus einem Impuls, einer darauf folgenden Handlung und einer anschließenden Belohnung dar. Deshalb lässt sich der Griff zur Schokolade so leicht eingewöhnen. Die Belohnung in Form des Schokoladen-Stücks im Mund kommt schnell und wird vom Gehirn direkt als positiv wahrgenommen. Andere Dinge an die wir uns gewöhnen wollen werden eventuell nicht so schnell als positiv wahrgenommen.

Der zweite Aspekt ist, dass Gewohnheiten regelmäßig durchgeführt werden müssen um als solche eingespielt zu werden. Je nach Gewohnheit kann das schneller oder langsamer passieren. Eine bereits bestehende Gewohnheit lässt sich damit auch nicht einfach von heute auf morgen abschalten. Wir können jedoch versuchen diese entweder umzuleiten und beispielsweise im Supermarkt statt zu den Süßigkeiten zu greifen bewusst etwas anderes nehmen, oder wir versuchen die Gewohnheit hart zu unterbrechen. In beiden Fällen müssen wir uns aktiv damit beschäftigen, konzentrieren und sehr genau auf unser Verhalten achten. Niemand hat gesagt, dass das einfach wird.

Um nun eine spezifische Gewohnheit zu ändern oder überhaupt neu zu entwickeln müssen wir uns also unsere Ist-Situation (bestehende Gewohnheit) ansehen, uns überlegen wie die Soll-Situation (neue Gewohnheit) aussehen soll und uns fragen wie wir dort hin kommen. Nehmen wir dazu einmal ein neues Beispiel. Immer wenn unser Wecker läutet drücken wir 3 mal auf Snooze bevor wir aufstehen. Hier wird es uns vermutlich schwer fallen dieses Verhalten von einem Tag auf den anderen zu unterbrechen und direkt aufzustehen. Wir können es natürlich versuchen. Eine andere Möglichkeit wäre es für das letzte Läuten einen eigenen Wecker mit anderem Klingelton zu stellen und uns daran zu gewöhnen bei diesem Klingelton aufzustehen. Anschließend stellen wir den neuen Wecker schrittweise früher ein und reduzieren die Anzahl an Snoozes bevor wir aufstehen.

Welche Gewohnheiten wir für unsere finanzielle Entwicklung nutzen können

Wie sieht das jetzt im Kontext der finanziellen Entwicklung aus? Auch hier gibt es einige Möglichkeiten derer wir uns bedienen können um uns das Sparen und Geld-Anlegen einfacher zu gestalten. Wie üblich haben wir drei Stellschrauben, Einnahmen, Ausgaben und Investitionen.

Zu den Einnahmen kann ich in dem Kontext nicht all zu viel schreiben. Natürlich gibt es Berufe, insbesondere im Selbständigen Bereich in denen du deine Arbeit durch Routinen effizienter gestalten kannst und dadurch deine Einnahmen steigerst oder eine Gehaltserhöhung bekommst. Direkte Umstellungen wie bei den anderen beiden sehe ich hier allerdings weniger.

Im Kontext der Ausgaben kannst du, je nach deiner aktuellen Lebenssituation, schon eher an einigen Schrauben drehen. Du kannst günstigere Produkte kaufen und dir angewöhnen die günstigen Produkte zu kaufen. Du kannst vielleicht auch auf teure Luxusprodukte wie Energy-Drinks oder ähnliches verzichten. Hier muss selbstverständlich auch immer das Verhältnis Einsparung zu Lebensqualität betrachtet werden. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass viele Produkte oft mehr aus Gewohnheit und dem sich daraus entwickelten positiven Gefühl gekauft werden als, dass sie wirklich einen Mehrwert bieten. Ein möglicher Automatismus ist auch, einen gewissen Betrag deines Gehalts am Anfang des Monats automatisch auf ein Zweitkonto buchen zu lassen und dadurch dein „Spielgeld“ zu reduzieren.

Die Geldanlage ist zum Glück ein Bereich der sich inzwischen nicht nur durch Gewohnheiten abbilden sondern sogar nahezu vollständig Automatisieren lässt. Aktien und ETFs lassen sich bei vielen Anbietern inzwischen per Sparplan kaufen. Dies kann, selbst wenn sich dort nicht dein eigentliches Konto befindet mittels Einziehungsauftrag oder Dauerüberweisung automatisiert bezahlen. Das stellt meiner Meinung nach eine unglaublich geniale Möglichkeit dar. Denn während ich vor einigen Jahren noch alle paar Monate manuell nachsehen musste welche Aktien oder ETFs ich denn jetzt kaufen möchte und wie viel Geld ich worin investieren möchte, passiert dies inzwischen jeden Monat automatisiert. Und das tolle dabei, ich muss mich um nichts kümmern und an nichts denken. Für die monatliche Rate ist ein Betrag eingestellt der immer vorhanden ist und damit kann nichts schief gehen.

Alles was ich noch hin und wieder mache ist, dass ich einmal im Jahr meine Sparrate und monatliche Investitionsrate prüfe und diese, je nach aktueller Veränderung der Lebenssituation/Einnahmen/Ausgaben/etc., anpasse. Ich persönlich nutze für meine ETF-Sparpläne Flatex* und bin damit sehr zufrieden.

Ähnlich verhält es sich übrigens mit meinen P2P Anlagen. Die Investition erfolgt vollständig mittel automatisierten Investitionsstrategien. Ich ändere die Gesamtbeträge zwar einmal jährlich manuell, auch hier kannst du bei den meisten Anbietern jedoch theoretisch auch mittels Dauerauftrag monatlich mehr Geld investieren.

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