Tagebuch zur finanziellen Freiheit - Der Rote März
Tagebuch zur finanziellen Freiheit

Tagebuch zur finanziellen Freiheit – Der rote März

Was für ein Monat. Nachdem es im Februar bereits ein wenig krachte hat es dann im März noch ordentlich gepoltert. Die Kurse sind im Keller. Nur wie viele Stockwerke der Keller hat weiß niemand so genau. Ich habe etwas früh begonnen zu investieren und passe meine Strategie nun an. Zusätzlich arbeite ich an ein paar neuen Formaten für den Blog.

Weiterentwicklung des Blogs

Beginnen wir mit dem Blog. Ich überarbeite gerade ein paar Stellen dieser Seite. Meine bisher noch eher unregelmäßigen Rückblicke möchte ich nun regelmäßig unter dem Stichwort „Tagebuch zur finanziellen Freiheit“ veröffentlichen. Darin will ich festhalten wie sich der Blog hier entwickelt und was sich auf meinem persönlichen Weg zur finanziellen Freiheit so getan hat. Zusätzlich habe ich diesen Monat den ersten Teil meiner neuen Artikelserie „Dein Weg zur finanziellen Freiheit“ veröffentlicht. Darin will ich die Grundlagen auf dem Weg zur finanziellen Freiheit vermitteln. Demnächst wird es noch eine zusätzliche Serie geben in der ich den Fokus auf das Investieren und unterschiedliche Anlagestrategien legen werde. Im Rahmen dieser Artikel habe ich auch den Finanzielle Freiheit Rechner den ich einmal in einem alten Artikel veröffentlicht habe überarbeitet und dieser wird demnächst eine eigene Seite bekommen.

Corona, mir hat eine klare Strategie gefehlt

Als nächstes ein kleiner Rückblick auf den vergangenen Monat. Wie ich in meinem letzten Rückblick geschrieben habe war es meine Strategie unterschiedliche Aktien zu kaufen sobald sie vorab festgesetzte Preise unterbieten. Damit wollte ich in der aktuellen Situation ganz bewusst von meinem bisherigen ETF orientierten Plan abweichen und individuell Aktien nachkaufen. Mir war klar, dass die Aktien ein gutes Stück weit fallen können. Ich habe jedoch zwei Fehler gemacht.

Erstens habe ich unterschätzt wie stark sich der Virus auf die Märkte auswirken wird. Zweitens habe ich mir kein Limit gesetzt wie viel Geld ich maximal pro Woche oder Monat investiere. Dadurch habe ich mich, durch die vermeintlich günstigen Kurse, dazu verleiten lassen schnell zu kaufen und habe relativ früh einiges an Pulver verschossen.

An der Stelle kann man sich auch fragen wieso ich überhaupt in Einzelaktien investiere wenn ich doch mit meinen ETF-Sparplänen zufrieden bin und diese einfach erhöhen könnte. In dem Fall spielen zwei Gedanken mit.

  1. Diversifikation – Auch wenn ETFs eine tolle Möglichkeit der Diversifikation bieten will ich nicht nur in ETFs investiert sein. Einzelaktien sollen, wie auch andere Investments auch einen Teil meines Depots ausmachen. Dies sollen unter sich jedoch wieder diversifiziert sein.
  2. Erfahrung & Performancevergleich – Ich will nicht nur die Möglichkeit nutzen mit zusätzlichen Aktien aus der Krise zu gehen sondern auch die Performance meiner Einzelinvestments mit denen meiner ETF-Sparpläne vergleichen. Auch wenn mich das etwas Performance kosten könnte will ich die Erfahrung in solch einer Situation gemacht haben.

Für alle die zur Zeit beunruhigt sind und überlegen alles zu verkaufen. Lest bitte folgenden Artikel: Das richtige Mindset beim Crash

Bisherige Investments

Meine bisherigen Investments sahen wie folgt aus.

UNIQA, gekauft am 26.02. um 8,5€ pro Stück
Walt Disney, gekauft am 27.02. um 119,98 USD pro Stück
Shell, gekauft am 09.03. um 16,194€ pro Stück
Microsoft, gekauft am 09.03. um 150 USD pro Stück
Alphabet, gekauft am 09.03. um 1.200 USD pro Stück

Parallel wurden automatisch am 04.03. und am 18.03. ETF Sparpläne den MSCI World, den Emerging Markets und Europe fällig.

Die Investitionen meiner Sparpläne sind anhand meines monatlichen Gehaltsüberschusses kalkuliert. Die Aktienkäufe wurden mit meinen direkten Cash-Reserven getätigt. Damit habe ich innerhalb von knapp 2 Wochen etwa 40% meiner Cash-Reserven investiert. Diese Investments sind heute, wenige Wochen später, knapp 89% ihres ursprünglichen Wertes wert. Also ein Kursverlust von durchschnittlich 11%. Besonders stark sind dabei die beiden im Februar gekauften Titel abgestürzt. Microsoft ist sogar mit einem Prozent im Plus.

Das weitere Vorgehen

Das positive ist, dass ich demnächst meinen Jahresbonus ausgezahlt bekommen sollte und als Puffer einen Bausparvertrag habe den ich ohnehin auflösen wollte. Das negative, ich erhalte ab Mai weniger Gehalt da ich dann Stunden reduziere. Es braucht also einen besseren Plan wie ich weiter vorgehe. Deshalb habe ich zu aller erst eine Aufstellung meiner finanziellen Situation gemacht.

Mein monatliches Gehalt wird sich ab Mai um etwa 600 Euro reduzieren. In der aktuellen Situation will ich meine Sparpläne jedoch nicht kürzen. Das bedeutet ich muss für das restliche Jahr einen Puffer von etwa 6000 Euro vorhalten um meine Sparpläne nicht kürzen zu müssen. Zusätzlich will ich auch in diesen Zeiten einen gewissen Puffer vorhalten, sowohl für Reparaturen als auch für mein berufsbegleitendes Studium um nicht ganz ans Limit gehen zu müssen. Etwa 10.000 Euro werde ich also nicht investieren können. Damit sind der Bausparer und der Bonus als Puffer verplant. Bleibt also nur was ich aktuell an Cash halte.

Ich bin nach wie vor überzeugt davon, dass „Kaufen“ die richtige Strategie ist. Hierbei will ich jedoch das Zeitfenster besser abstimmen. Denn ich habe keine Lust, dass ich meine ganzen Reserven verschieße und es dann noch einmal ordentlich nach unten geht. Sollte es nicht mehr weiter fallen, habe ich ohnehin schon eingekauft. Deshalb reduziere ich die Frequenz meiner Aktienkäufe bewusst etwas, lasse meine Sparpläne jedoch weiter laufen.

Meine aktuelle Cashreserve teile ich in 10 gleich große Teile auf. Von diesen Teilen werde ich jeden Monat maximal zwei Teile investieren. Zwischen zwei Investments will ich einen Abstand von mindestens einer Wochen oder einen Kursabfall einer Aktien von mindestens 10% haben um einen „Kaufrausch“ zu verhindern. Das bedeutet nach einem Kauf wird die nächste Aktie erst ab dem nächsten 10% Punkt, oder nach frühestens einer Woche gekauft. Meine aktiven Investments werden also ähnlich einem Sparplan aufgeteilt. Cost-Average Effekt und so. Damit erhöhe ich zwar das Risiko an einem Tiefpunkt nicht mehr zu kaufen, ich reduziere allerdings auch das Risiko zu früh zu viel zu kaufen. Gleichzeitig muss ich mir vor jedem Kauf genau überlegen welche der zur Verfügung stehenden Aktien gerade die besten Aussichten hat. Damit kann ich mich noch mindestens 5 Monate mit aktiven Investments beschäftigen und investiere zeitgleich eine ordentliche Summe in meine ETF-Sparpläne.

Zur Zeit gehe ich davon aus, dass uns der Virus in Österreich noch etwa zwei Monate beschäftigen wird. (Hinweis: Ich habe keine Glaskugel, das ist reine Spekulation) Mit etwas Glück werden die aktuellen Maßnahmen bereits in einem Monat gelockert. Dazu muss man allerdings auch sagen, dass wir es in Österreich noch relativ gut erwischt haben. Die Anzahl der Infizierten ist zwar in Relation zu vielen anderen Ländern recht hoch, die Rate der neuen Ansteckungen nimmt allerdings bereits ab und es gibt zum Glück kaum tote. Die Maßnahmen zeigen Wirkung.

In anderen Teilen Europas sieht es leider düsterer aus. Dort wird es voraussichtlich noch etwas länger dauern bis wieder Normalität einkehrt. Reisebeschränkungen werden wohl noch eine Weile gelten. Damit sind viele Teile der Wirtschaft weiterhin eingeschränkt. Die USA haben in den letzten Tagen einen rasanten Zuwachs an Infizierten gezeigt und ich befürchte das schlimmste kommt noch. Deshalb will ich mich aktuell noch etwas zurück halten und warte ab wie sich die Lage in den USA entwickelt. Ich vermute wenn es dort richtig los geht werden die Kurse noch einmal fallen.

Hier kommst du zur Live-Karte der John Hopkins Universität

Meine Investment Kandidaten

Da ich inzwischen einen Teil meiner Wunschkandidaten gekauft habe, habe ich meine Liste etwas erweitert um eine bessere Diversifizierung zu erreichen. Das Ziel ist es dabei Unternehmen bei denen ich davon ausgehe, dass sie gut durch die Krise kommen zu kaufen. Wobei ich mir nur wenige Aktien ausgesucht habe bei denen ich Nachkäufe tätige und eher durch Neukäufe diversifizieren möchte. Dabei braucht es die richtige Mischung aus eher volatilen Unternehmen die verhältnismäßig bereits viel verloren haben, beispielsweise Sixt, und bisher eher stabilen Unternehmen wie Johnson & Johnson oder die Österreichische Post.

Die eingetragenen Werte sind aktuell die Bereiche zu denen ich überlege mir Titel zu kaufen. Ich habe mir zu jeder Aktie angesehen wie viel sie in etwa seit Ausbruch des Corona Virus maximal verloren hat und wie viel sie bis heute verloren hat. Die Werte sind dabei nicht aufs Komma genau und dienen nur als Indikation wie stark der Kurswert auf die aktuelle Situation reagiert hat. Anschließend versuche ich die 10% Stufen anzusetzen zu denen ich die Titel kaufen möchte. Bei den bisher volatileren Unternehmen will ich zur Risikominimierung eine niedrigere Kaufschwelle abwarten. Bei Sixt beispielsweise will ich auch noch etwas abwarten wie gut das Unternehmen mit der Krise zurecht kommt. Unternehmen wie Amazon oder die Österreichische Post werden ab April bereits dann gekauft wenn sie den Tiefstwert der letzten zwei Wochen erneut erreichen.

Aktie Max. Minus 2020 Minus mit
28.03.
Kurs
100%
90% 80% 70% 60%
Sixt 62% 47% 52€ 47€ 42€ 37€* 32€
HeidelbergCement 54% 42% 38€ 34€ 31€ 27€* 24€
Siemens 49% 39% 73€ 64€ 57€* 50€ 43€
Realty Income 47% 31% 57USD 51USD* 46USD 40USD 34USD
Disney 38% 34% 96USD 87USD* 77USD 68USD 58USD
Visa 34% 26% 161USD 145USD* 129USD 113USD 97USD
Berkshire Hathaway 30% 22% 180USD* 162USD 144USD 126USD 108USD
Vonovia 30% 23% 42€ 38€* 34€ 30€ 26€
Johnson & Johnson 28% 20% 120USD 108USD* 96USD 84USD 72USD
Österreichische Post 22% 11% 31€ 28€* 25€ 22€ 19€
Amazon 21% 9% 1900USD 1710USD* 1520USD 1330USD 1140USD

*Der Kurs ab dem ich aktuell einen Kauf von Aktien des jeweiligen Unternehmens andenke.

Was natürlich alle meine Pläne über den Haufen werfen könnte, wäre eine Stabilisierung der Kurse. Das wäre allerdings auch nicht schlimm, denn in diesem Fall würde ich weiterhin mit meinen ETF Sparplänen investieren.

Mein finanzieller Status

Trotz Krise ist meine finanzielle Situation ganz gut. Meine Sparquote lag bei knapp über 58%. Damit habe ich erneut das Ziel für einen einzelnen Monat überschritten und kann die höheren Kosten vom Jänner ausgleichen. Für das erste Quartal 2020 komme ich damit auf eine Sparquote von knapp 48,5%. Das positive, hier ist noch kein Bonus und kein 13. Gehalt oder 14. Gehalt eingerechnet. Damit liege ich über der anvisierten Sparquote, die 67% auf das ganze Jahr wären damit leicht zu erreichen. In einem Monat reduziere ich jedoch meine Stunden, dann bin ich vorerst auch mit einer Sparquote von 37-40% pro Monat und 57% auf das ganze Jahr zufrieden. Damit sah der Monat aus der Perspektive ganz gut aus. Ich merke allerdings, dass meine Wertverteilung aktuell besonders Aktienlastig ist.

Mein Aktienportfolio ist von +12% auf -5,5% gefallen. Meine P2P Investments zeigen dafür bisher keine Einbußen. Sowohl Mintos als auch Bondora entwickeln sich wie gehabt. Auch die ersten Investments in EstateGuru sehen gut aus. Ob es hier durch wirtschaftliche Probleme verzögert zu einer Abschwächung kommt wird sich zeigen, bisher merke ich keine Probleme.

Insgesamt ist mein Vermögen zwar kurzfristig etwas gesunken, im Vergleich zu November 2019 hat sich allerdings nichts geändert. Lediglich die Verteilung des Vermögens sieht etwas anders aus. Ich halte weniger Cash, meine P2P Investments sind etwas gestiegen und mein Aktienvermögen ist durch die neuen Investments auf einem ähnlichen Niveau wie zuvor.

FFQ: Mein finanzieller Freiheitsquotient liegt damit Ende März bei 40%. Bei einer angenommenen Nettorendite von 5%. Bis ich die 50% erreiche dauert es voraussichtlich noch etwas mehr als ein Jahr. Die erwartete Dauer bis zur finanziellen Freiheit beträgt noch etwa 7 Jahre.

Lesenswertes

Zum Abschluss noch meine Leseempfehlung von anderen Seiten und Blogs aus diesem Monat.

Börsencrash 2020: Coronavirus lässt Aktien abstürzen – Perspektiven für langfristige Investoren

REITs: Chance oder Risiko?

Sixt und andere Ausschüttungs-Ausfälle: Cool bleiben ohne Dividenden?

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