Finanzielle Freiheit

Wie ich mit 35 die finanzielle Freiheit erreichen werde

Finanzielle Freiheit bezeichnet den Zustand in dem du alle Ausgaben durch passive Einkommensströme (Mieteinnahmen, Zinsen, Dividenden, etc.) begleichen kannst.

Finanzielle Freiheit und der Weg dorthin

Zugegeben, ein ganz ordentliches Ziel. Während also der Großteil der Menschen bis ins hohe Alter arbeitet, um über die Runden zu kommen, will ich mit 35 nicht mehr arbeiten müssen.

Ich kann mich noch erinnern wie ich vor 5 Jahren bei einem Praktikum in einem großen Konzern mit einer älteren Kollegin darüber gesprochen habe, dass ich gerne einmal von meinen Zinsen leben möchte. Sie meinte nur, solche Ziele hätte sie auch mal gehabt und wenn ich älter werde, würde ich merken, dass das nicht realistisch ist. Zu schnell würden sich Pläne ändern, oder etwas dazwischen kommen. Und spätestens wenn ich mal Kindern wollen würde wäre das ganze ohnehin nicht mehr machbar.

Das konnte ich damals natürlich nicht mal so entkräften. Vor allem da die Kollegin doch mehr Lebenserfahrung hatte als ich. Daraufhin habe ich mir folgende Frage gestellt.

Wie viel Geld brauche ich um finanziell frei zu sein?

Damals habe ich mir Folgendes überlegt. Wenn die Höhe meiner Zinsen die Höhe meiner Ausgaben übersteigt, dann wäre ich finanziell frei. Auch wenn die Überlegungen dazu inzwischen etwas komplexer sind und ich neue Erkenntnisse in meine Überlegungen mit einfließen lasse, so ist die Kernaussage dahinter nach wie vor eine mich treibende Kraft.

Um nun die benötigte Höhe meiner Zinsen herauszufinden habe ich meine Ausgaben genau geprüft und in einer Excel Tabelle zusammengetragen. Mein erstes Haushaltsbuch war geschaffen. Anhand der darin erfassten Werte konnte ich zum ersten Mal genauer beziffern wie viel Geld ich monatlich zum Leben brauchte und wie viel Geld ich folglich später einmal verdienen müsste.

In einem weiteren Schritt machte ich mir Gedanken darüber mit welchen Zinsen ich rechnen könnte und wie viel Steuern ich auf diese Zahlen müsste. In meinem ersten Entwurf traf ich die Annahme, dass ich mit 6% Zinsen vor Steuer rechnen könnte. Damit hatte ich ohne es zu wissen eine relativ gute Annahme getroffen, wie du hier nachlesen kannst.

Damals kam ich zu dem Ergebnis, dass ich 400.000 bis 500.000 Euro sparen müsste um bei 6% Zinsen von den Zinseinnahmen leben zu können. Damals ging ich von monatlichen Ausgaben in Höhe von 1.500 Euro aus. Und ich rechnete damit das bis Ende 2026 erreichen zu können. Dann wäre ich 35 Jahre alt.

Das war wohlgemerkt bevor ich mit dem Studium fertig war, wodurch ich noch viele Annahmen treffen musste. Wie ich eben beim vergleichen meiner alten Rechnungen gesehen habe, waren diese Annahmen allerdings gar nicht mal so schlecht. Mein Ziel ist nach wie vor sehr ähnlich. Heute rechne ich trotz der bisherigen guten Werte weiterhin mit 6% vor Steuer oder ca. 4,3% nach Steuer.

Damit habe ich auf realistische Werte von über 7% sogar noch einen Puffer und kann es abfangen wenn ich z.B. nicht immer voll investiert bin. Meine monatlichen Ausgaben sind dafür deutlich niedriger als ich damals angenommen hatte. Zusätzlich rechne ich inzwischen mit an die Inflation angepassten Ausgaben. Ein wichtiger Punkt den ich vor fünf Jahren nicht berücksichtigt hatte.

Heute gehe ich davon aus, dass ich weniger Geld benötige. Etwa 400.000 Euro um genau zu sein. In der neuen Kalkulation habe ich diesmal allerdings die Inflation und Steuern berücksichtigt. Auch habe ich die erwarteten Gehaltssteigerungen deutlich reduziert. Dafür gehe ich von geringeren monatlichen Kosten aus, etwa 1.200 Euro habe ich hier veranschlagt. Ich rechne jedoch auch „erst“ in 2027 mit dem Erreichen meines Ziels. Ich wäre immer noch 35.

Damit werde ich im besten Fall positiv überrascht. Zum Beispiel wenn sich alles gut entwickelt und ich mehr als 7% Rendite erwirtschafte. Dafür gehe ich jedoch auch von niedrigeren Ausgaben aus als ich ursprünglich angenommen habe. Gerade bei den Ausgaben ist es wichtig, dass du dir über das Potential Geld zu sparen bewusst bist.

Ab August werde ich meine Ausgaben zum Beispiel um knapp 200 Euro reduzieren können. Wobei 110 Euro eine tatsächliche Verringerung meiner Ausgaben darstellen und 90 Euro lediglich von einer ungünstigen Anlageform abgezogen werden damit ich frei darüber verfügen kann.

Mehr dazu unter Drei Fehler die mich viel Geld gekostet haben.

Zusätzlich konnte ich in den letzten Monaten ohne großen Aufwand meine Lebensmittelkosten um knapp 70 Euro reduzieren was in der obigen Rechnung noch nicht berücksichtigt wurde. Mit dieser erneuten Kostenersparnis ist das Erreichen meines Ziels bereits mit knapp 300.000 Euro möglich. Diesen Punkt könnte ich bereits 2025 erreichen. Also zwei Jahre früher als erwartet. Das will ich mir allerdings erst ein paar Monate ansehen bevor ich mir gegebenenfalls ein noch ambitionierteres Ziel setze.

Warum will ich finanziell frei sein?

Warum genau ich die finanzielle Freiheit seit ich klein bin so erstrebenswert finde kann ich mir selbst nicht genau beantworten. Mir war jedoch schon immer klar, dass ich „mehr“ will. Ich glaube, dass mir die Lage früher nicht so bewusst war wie heute. Denn sowohl in Deutschland als auch in Österreich, legen die Menschen ihr Geld lieber auf das Sparbuch anstatt es vernünftig anzulegen. Noch schlimmer, laut einer Studie aus diesem Jahr hat jeder Zweite am Ende des Monats kein Geld mehr übrig.

Wir legen im Schnitt also nicht nur zu wenig Geld gewinnbringend an, die meisten geben auch noch deutlich zu viel aus. Wodurch sie nicht einmal auf dem Konto Geld übrig haben. Das sind Szenarien die ich schon immer vermeiden wollte. Schon als ich klein war habe ich brav mein Geld gespart und hatte immer etwas Geld über wenn ich einmal etwas kaufen wollte.

Inzwischen sind natürlich zusätzliche Überlegungen dazugekommen. Seien es Überlegungen in Richtung „Geldwert von Zeit“, „Wie schaffe ich mir mehr Freizeit?“ hin zu Überlegungen in Bezug auf den generellen Umgang mit Geld. Ich stelle mir also auch die Frage wie ich langfristig damit umgehen möchte wenn ich mein Ziel erreicht habe.

Will ich immer einen Vollzeit-Job ausüben? Ist ein 20-30 Stunden Job vielleicht erfüllender wenn man nicht des Geldes wegen länger arbeiten muss? Will ich irgendwann in die Selbständigkeit wechseln? Das sind Fragen auf die ich zur Zeit noch keine Antwort habe, ich empfinde es allerdings ganz klar als erstrebenswert mir entsprechende Optionen zu eröffnen.

Wie weit bin ich heute?

Wie weiter oben bereits angemerkt liege ich eigentlich ganz gut im Zeitplan und bei einer ähnlichen Entwicklung wie in den letzten Jahren ist es realistisch, dass ich mein Ziel 2027 erreiche. Möglicherweise sogar früher, aber um das besser beurteilen zu können will ich noch etwas abwarten. Das Ziel 2027 ist in etwa 7 1/2 Jahren. Dann werde ich 35 sein. Das ist in Österreich 30 Jahre vor dem aktuellen Renteneintrittsalter für Männer. Ein guter Schnitt wie ich finde. Aber wie komme ich jetzt genau dort hin?

Zur Zeit liege ich bei einer realen monatlichen Sparrate von etwa 56%. Darin sind allerdings Urlaubs und Weihnachtsgeld sowie eventuelle Bonuszahlungen nicht mit eingerechnet. Mit diesem zusätzlichen Einkommen komme ich auf eine Sparrate von etwa 69%. Aktuell erscheint es mir realistisch, dass ich ab nächstem Monat bei einer Sparrate von 60% monatlich und knapp 72% jährlich liege.

Etwa 24,5% meines Vermögens liegen als Reserve auf meinem Girokonto. Der Rest ist in unterschiedliche Anlageformen aufgeteilt. Wobei 13,7% alten Bankprodukten entsprechen die ich in den nächsten Jahren auflösen möchte sobald ich die Möglichkeit dazu habe und 62,8% auf unterschiedliche Wertpapiere aufgeteilt sind. Davon sind wiederum etwa 70% in ETFs angelegt und etwa 30% in Einzelaktien. Der recht hohe Anteil an Barvermögen und Bankprodukten mit einer niedrigeren Verzinsung schmälter im Moment meine Rendite da nur etwa 63% meines Vermögens vernünftig angelegt sind. Die Summe des Bargeldes stört mich dabei weniger da ich es gut finde einen gewissen Betrag als Sicherheit verfügbar zu haben. Die 13,7% Bankprodukte stören mich aktuell allerdings, da diese eine ziemlich schlechte Performance haben. Sie sind einer der Gründe weshalb ich meiner Meinung nach einen Puffer in meiner Kalkulation brauche und nur mit konservativen 6% jährlicher Rendite rechne.

Das wird allerdings in den nächsten Monaten und Jahren immer besser werden. Einerseits kann ich die Bankprodukte in den nächsten Jahren aufkündigen und das Geld besser anlegen. Andererseits investiere ich seit kurzem einen großen Teil meiner monatlichen Ersparnisse regelmäßig in einen ETF-Sparplan. Dadurch passiert es mir nicht mehr, dass ich einen längeren Zeitraum über nicht investiere und ich kann mich entspannt zurücklehnen. Meine Bank hatte solch ein Angebot leider nicht weshalb ich mich nach langem überlegen bei einem Online-Broker mit entsprechendem Angebot angemeldet habe.

Zusätzlich dazu überlege ich schon länger eine weitere Investitions- und Einkommensquelle zu erschließen um meine Rendite im Optimalfall zu steigern und zu diversifizieren. Immobilien interessieren mich dabei zur Zeit besonders.

Was wenn etwas schief geht?

Etwas unerwartetes kann natürlich immer passieren und wir können die Zukunft leider bis heute nicht vorhersagen. Aktuell sehe ich allerdings vor allem die folgenden Risiken mit denen ich mich in nächster Zeit noch mehr auseinandersetzen muss.

  1. Geringere Rendite als erwartet
    Wenn sich der Markt schlecht entwickelt oder ich zu ungünstigen Zeitpunkten kaufe kann sich meine erwartete Rendite verringern. Dies ist aktuell bereits der Fall, da ich einen sehr guten Zeitpunkt verpasst habe. Hier kann ich auf jeden Fall viel Risiko abfangen indem ich regelmäßig investiere (Diversifizierung durch ETF-Sparpläne) und versuche günstige Einzelinvestments zu tätigen.
  2. Geringere Gehaltsentwicklung als erwartet
    Natürlich habe ich in meinen Kalkulationen auch meine Gehaltsentwicklung eingerechnet. Diese habe ich in meiner Kalkulation alle 2 Jahre mit 5% angesetzt. Eine geringere Gehaltsentwicklung kann mich allerdings maximal um ein Jahr zurückwerfen.
  3. Der Crash
    Die Hiobsbotschaft vom großen Crash wird in regelmäßigen Abständen, meist von den üblichen Verdächtigen durch die Medien getragen. Ob ein Crash kommt und wann dieser kommt kann wohl niemand wirklich vorhersagen. Sollte es allerdings zu einem solchen Großereignis kommen können wir ohnehin nur versuchen das Beste daraus zu machen. Das bedeutet meiner Meinung nach ruhig bleiben und versuchen Geld zu investieren soweit das möglich ist. Denn langfristig haben wir uns noch von jedem Crash erholt. Deshalb konntest du in beliebigen 15 Jahres Zeiträumen seit 1975 eine durchschnittliche 7,7% Rendite auf den MSCI World erwarten.

Fazit

Ich rechne also damit, dass ich je nach Lebensstandard 300.000 bis 400.000 Euro mit einer Rendite von 6% angelegt haben muss um von den Zinsen leben zu können. Das entspräche dann 18.000 bis 24.000 Euro vor Steuer. Nach Steuer 13.500 bis 18.000 Euro. Wichtig ist, dass hierbei bereits eine durchschnittliche Inflation von 2% pro Jahr eingepreist ist.

Mein aktuelles Ziel ist es, diesen Punkt spätestens bis Anfang 2027 zu erreichen. Das sind ab heute noch etwa 7 1/2 Jahre. Dann wäre ich 35. Aktuell beträgt das Rentenalter in Österreich 65 Jahre. In Deutschland bereits 67. Ich könnte also 30 Jahre früher in Rente gehen wenn mir danach wäre.

Abschließend möchte ich noch auf etwas hinweisen. Ich verfolge diesen Plan inzwischen schon ein paar Jahre. Die finanzielle Freiheit zu erreichen ist ganz klar eines meiner größten Ziele und ich gehe davon aus dieses Ziel auch zu erreichen. Manchmal spielt aber einfach nicht alles so mit wie man es sich vorgestellt hat. Theoretisch kann jeden Tag etwas unerwartetes passieren das deine oder meine Lebensumstände auf den Kopf stellt. Daher sollte man sich bei solch einem Plan immer vor Augen halten, dass es genau das ist. Ein Plan. Und der kann sich ändern.

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